Alexander Schleicher

Alexander Schleicher (geboren am 22. Mai 1901, verstorben am 26. April 1968) ist ein Pilot und Geschäftsmann aus Poppenhausen an der Wasserkuppe. Er ist Gründer des gleichnamigen Segelflugzeugherstellers Alexander Schleicher GmbH & Co. KG.

Leben

Geboren im Poppenhausener Ortsteil Gackenhof als drittes von neun Kindern kommt Alexander Schleicher zur Welt. Vater Friedrich Wilhelm Schleicher besaß eine Tischler-Werkstatt am „Huhnrain“, wo später das Betriebsgelände eines der größten Hersteller für Segelflugzeuge entstehen sollte. Dort erlernt der junge Alexander von 1915 bis 1918 das Schreinerhandwerk. Mutter Sabine, geborene Link, verstarb bereits 1912.

Nach einer Arbeitsstelle an der deutsch-holländischen Grenze in den Niederlanden, er wohnt zu dieser Zeit in Emmerich am Rhein, begann Alexander, der von allen nur „Alex“ gerufen wurde, am 01. Mai 1923 das Arbeiten als Flugzeugschreiner bei der Weltensegler GmbH auf der Wasserkuppe. Vorort lernt er das Segelfliegen und wurde einige Zeit später auch Fluglehrer.

Ab 1925, nach dem Ende der Weltenseglerwerke, arbeitet Schleicher bei der Martens Segelflugschule auf der Wasserkuppe und beginnt auch das Mitarbeiten in der benachbarten Werkstatt der Rhön-Rossittengesellschaft, wo er unteranderem am Bau Alexander Lippischs ersten Nurflügel-Gleiters, dem Storch I, beteiligt ist.
Anfangsjahre als Segelflugzeughersteller
Nebenbei baut er sich selbst einen „Hol’s der Teufel“ nach der Konstruktion von Lippisch aus dem Jahre 1923. Diesen baut Alexander Schleicher anfangs noch provisorisch im Tanzsaal der Gaststätte „Goldenes Kreuz“ der Familie Hahner in Poppenhausen, ab 1927 bezieht er jedoch als Werkstatt einen Anbau des Sägewerks Rommerz.

In den Jahren 1926 und 1927 nimmt Alex mit seinem „Hol’s der Teufel“ an den jährlichen Rhön-Wettbewerben teil und gewinnt nach schweißtreibender Arbeit im Schulungswettbewerb mit der größten Anzahl an Flügen das Preisgeld in Höhe von 1.136,90 Reichsmark. Mit einer durchschnittlichen Flugzeit von gerade einmal drei Minuten erreicht er während seinen insgesamt 69 Flügen eine Gesamt-Flugzeit von drei Stunden, 30 Minuten und 15 Sekunden.

Das ständige Hinaufschleppen der Flugzeuge mit Ross oder Hand forderte dem jungen Mann Kraft und Durchhaltevermögen ab – Eigenschaften, die den erfolgreichen Pilot und Geschäftsmann zeitlebens auszeichnen.

Selbstständigkeit

Trotz der mäßigen Bedingungen der Nachkriegszeit entschließt sich Schleicher 1927 für die Selbstständigkeit. Am 01. November 1927 erfolgt die Eintragung des Handwerksbetriebs zum Bau von Gleit- und Segelflugzeugen am Huhnrain in Poppenhausen in die Handwerksrolle.

Mit Hilfe des Schreiners Alois Kümmel, ein Vetter zu Schleicher, seinem Bruder Fridolin Schleicher und dem Lehrling Valentin Müller begann der Betrieb mit vier Mann.

Mit dem „Rhönadler“ als Doppelsitzer aus dem Hause Schleicher gelingt Günther Groenhoff am 30. Juli 1930 zusammen mit dem Poppenhausener Leo Bub als Sozius ein Rekordflug mit gleich zwei Weltrekorden für Doppelsitzer: 1250 Meter Höhe und 33 Kilometer Strecke.

Stets eng zusammen arbeitet Alexander Schleicher mit den Ingenieuren der Rhön-Rossitten-Gesellschaft, darunter der bereits genannten, leitenden Konstrukteure Alexander Lippisch und Hans Jacobs.

Alexander Schleicher Segelflugzeuge

1931 setzt Schleicher den Grundstein für das heutige Betriebsgelände der Alexander Schleicher GmbH & Co. KG für die Herstellung von Segelflugzeugen. Am Huhnrain in Poppenhausen bebaut er das Grundstück seines Vaters Friedrich Wilhelm mit einer eigenen Werkstatt und firmiert unter „Segelflugzeugbau ‚Rhön‘ Alexander Schleicher“.

Serienfertigung

Nach erfolgreichen Serienfertigungen mit dem „Anfänger“ (1929, erste Zusammenarbeit Schleicher und Jacobs), „Zögling“, „Prüfling“ und anderen, sind 1935 genau 45 Mitarbeiter beschäftigt und bereits 1937 muss Alexander Schleicher die Produktionsstätte seines Unternehmens kapazitätsbedingt um eine lange Halle ausbauen.

Großbrand

Noch am 17. Dezember gleichen Jahres wütet ein Großbrand in der unteren Werkstatt und vernichtet das Werkstattgebäude aus 1931 vollständig und beschädigt die obere Werkstatt sowie die neuerbaute Halle.
In dieser schweren Zeit konnte unter großem Einsatz der Mitarbeiter die Produktion bereits Ende Januar des Folgejahres wieder aufgenommen werden.

1936 beginnt die Zusammenarbeit mit dem Konstrukteur Heini Dittmar.

Zweiter Weltkrieg

Am 01. September 1939, Kriegsbeginn, sind summa summarum 120 Mitarbeiter beschäftigt.

Während des Zweiten Weltkriegs bestimmte nur noch das Reichsluftfahrministerium die Produktion des inzwischen 70 Personen Betriebs in Poppenhausen. Diese wurde allerdings durch zunehmende Luftangriffe immer häufiger verhindert, sodass ab Januar 1945 keine Herstellung mehr stattfand.

Pfingsten 1945 gestattet die alliierte Besatzung die Wiederaufnahme des Betriebs jedoch nur für die Produktion von Handwagen, Kirchengestühl und Möbeln, die bis in die 50er Jahre anhielt.

Nachkriegszeit

Am 28. April 1951 geben die Alliierten Besatzungsmächte die Freigabe des Segelflugs für Deutschland heraus und so darf Alexander Schleicher mit der Aufhebung des Bauverbots am 19. Juni 1951 wieder mit der Herstellung von Segelflugzeugen beginnen.

Mit der Rhönlerche I veröffentlicht Alexander Schleicher 1954 sein letztes Segelflugzeug aus Eigenkonstruktion. Fortan prägen die Ingenieure Rudolf Kaiser (AS-K), Gerhard Waibel (AS-W), Martin Heide (AS-H) und Michael Greiner (AS-G) die Konstruktionspläne der weltberühmten und erfolgreichen AS-Modelle, auch mit Ihren Kürzeln.

Die Konstrukteure in der Übersicht

    • Alexander Lippisch (ab 1927)
    • Hans Jacobs (ab 1931)
    • Heini Dittmar (ab 1936)
    • Edmund Schneider (ab 1941)
    • Rudolf Kaiser (ab 1953)
    • Gerhard Waibel (ab 1964)
    • Martin Heide (ab 1981)
    • Michael Greiner (ab 2000)

Die Segelflugzeuge des Herstellers Alexander Schleicher verhelfen Fliegern aus aller Welt regelmäßig zu Höchstleistungen und Bestwertungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben.

Vielen Dank an Herrn Ulrich Kremer für die Einblicke in die Betriebshistorie der Segelflugzeugmanufaktur Alexander Schleicher in Poppenhausen.